(Aus: von Gumpenberg, Marie-Carin und Markus Brach: "Aserbaidschan - Machtpoker um Petrodollars", in: Marie-Carin von Gumppenberg – Udo Steinbach (Hrsg.): Der Kaukasus. Geschichte – Kultur – Politik (= Becksche Reihe). München: Beck, 2008, [überarbeitet in: 2., neubearbeitete Auflage, 2010, pp. 49-50])

Aserbaidschan bildet geographisch gesehen die Verbindung zwischen Europa und dem Orient. Das Land stellte einen der wichtigsten Handels-und Verkehrsknotenpunkte der Seidenstraße dar. Aserbaidschan ist bekannt für seinen Ressourcenreichtum, vor allem für die großen Erdölvorkommen. Es ist auch bekannt als das „Land der Feuer“, weil an einigen Stellen Erdgase durch die Erdoberfläche treten, die sich bei passender Wetterlage entzünden. 

Das Land grenzt im Norden an Russland und Georgien, im Süden an Iran, im Westen an Armenien und – über die Exklave Nachitschewan – an die Türkei. Im Osten trennt das Kaspische Meer Aserbaidschan von dem rohstoffreichen Zentralasien.

Diese besondere geographische Lage weist auch seit Ende der Sowjetunion und der Aufnahme direkter Handelsbeziehungen der zentralasiatischen Staaten mit der EU, Aserbaidschan eine „Flaschenhalsfunktion“ in der Region zu. So führen alle wichtigen Transitwege aus und nach Zentralasien – in Umgehung Russlands – über aserbaidschanisches Staatsgebiet (vgl. von Gumppenberg/Steinbach 2010: S. 49-50). Geopolitisch wird Aserbaidschan der erweiterten Schwarzmeerregion zugeordnet (Astrov/Havlik, 2008:121), obwohl es an der Kaspischen See liegt. 80% der Erdöl- und Erdgasfördermengen des Staates werden offshore in diesem größten Binnensee der Erde gefördert (Alakbarov 2010: 34).