(Aus: von Gumpenberg, Marie-Carin und Markus Brach: "Aserbaidschan - Machtpoker um Petrodollars", in: Marie-Carin von Gumppenberg – Udo Steinbach (Hrsg.): Der Kaukasus. Geschichte – Kultur – Politik (= Becksche Reihe). München: Beck, 2008, [überarbeitet in: 2., neubearbeitete Auflage, 2010, pp. 51-59]))

Die Entwicklung Aserbaidschans ist geprägt von über Jahrhunderte andauernden Spannungsverhältnissen einzelner Großmächte untereinander. Es stand unter persischer, griechischer und römischer Macht, bevor es eine Zeit lang von den Mongolen besetzt war. Deren unterschiedlichste ethnische und kulturelle Einflüsse beeinflussten die sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen.

Der Beginn der industriellen Erdölförderung in der zweiten Hälfte des 19. Jh. läutete eine neue Epoche ein. Nach der Oktoberrevolution in Russland wurde 1918 die „Demokratische Republik Aserbaidschan“ mit Gandja als Hauptstadt gegründet. Sie währte jedoch nicht lange, da sie im April 1920 von der Roten Armee zerschlagen wurde. Kurz danach wurde die Aserbaidschanische Sozialistische Sowjetrepublik ausgerufen.

1922 wurde Aserbaidschan mit Georgien und Armenien Teil der Transkaukasischen Sowjetrepublik in der neu gegründeten UdSSR. 1936 endete diese Konstruktion durch die Gründung von drei unabhängigen Unionsrepubliken (Armenien, Aserbaidschan und Georgien). Danach erfolgte eine sowjetisch geprägte Industrialisierung und Modernisierung. Aserbaidschan wurde zum Zentrum der sowjetischen Erdölindustrie.

Am 18. Oktober 1991 erklärte Aserbaidschan seine Unabhängigkeit. Im Oktober 1993 wurde Heydar Aliyev zum Präsidenten der Republik gewählt. Nach den Präsidentschaftswahlen im Oktober 1998, woraus Aliyev wieder als Sieger hervorging, baute er seinen Sohn Ilham Aliyev systematisch zu seinem Nachfolger auf. Haydar Aliyev war zu diesem Zeitpunkt gesundheitlich bereits angeschlagen. Die internationale Gemeinschaft, die EU und USA, unterstützten grundsätzlich Alijevs Kurs. Für sie hatte ein stabiles und prosperierendes Aserbaidschan mit seinen Energievorkommen die politische Priorität. Im August 2003 wurde Ilham Alijev vom Parlament zum Ministerpräsidenten gewählt. Kurze Zeit später verstarb sein Vater. Im Oktober 2003 wurde Ilham Alijev mit rund 80% der abgegebenen Stimmen zum neuen Präsidenten gewählt.