Der folgende Text wurde aus den Auszügen des Nachworts zur neu bearbeiteten deutschen Ausgabe „Gefährliche Reise durch den wilden Kaukasus 1858-1859“ zusammengestellt.

Bartsch, Ernst (1995): „Gefährliche Reise durch den wilden Kaukasus 1858-1859. Neu bearbeitet und herausgegeben von Ernst Bartsch. K. Thienemanns Verlag, Stuttgart und Wien. S. 307 ff.

Dumas, Alexandre

Französischer Schriftsteller. * 24. Juli 1802 in Villers-Cotterêts, Département Aisne; † 5. Dezember 1870 in Puys bei Dieppe, Seine-Maritime.

Alexandre Dumas, der seine Herkunft vom französischen Hochadel und afrikanischen Sklaven ableitet, sagt über sich selbst: »Reisen ist immer eine meiner Leidenschaften gewesen. Vielleicht ist dies ein Erbteil meines Vaters, des Generals Dumas, oder eher meines Großvaters, des Marquis de la Pailleterie. Dieser hatte zwanzig Jahre lang als Pflanzer in Westindien gelebt, wo er auf San Domingo bei Kap Rose eine Plantage besaß. Meine Großmutter väterlicherseits war eine Sklavin aus Westafrika und führte dem Marquis den Haushalt. Ihr Name war Cesette. Sie starb aber schon, als mein Vater gerade zehn Jahre alt war. Vorher war er von seinem Erzeuger formell als Sohn anerkannt worden.« 

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Dumas erste dramatische Bühnenversuche enden kläglich. Erst mit dem Drama Henri III et sa cour gelingt ihm der Durchbruch. Man schreibt das Jahr 1829. Alexandre Dumas ist siebenundzwanzig Jahre alt und über Nacht zu einer Berühmtheit geworden. Es folgen weitere dem romantischen Zeitgeist entsprechende historische Dramen, die den jungen Dichter über die Grenzen Frankreichs hinaus bekannt machen.

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Seine märchenhaften Erfolge erzielt Dumas jedoch erst später durch das Aufkommen des »Zeitungsromans«, der in der Regel aus dem Hauptblatt der Zeitung herausgeschnitten werden konnte. Wie Dickens und Dostojewski ist Dumas auch hier ein Meister dieses Genres. Aus dem Dramatiker wird der gefeierte Feuilletonist und Romancier. Durch seinen Sinn für Dramatik gelingt es ihm, den Leser stets in Spannung zu halten. Wie in einem Rausch wartet ganz Paris auf die nächste Fortsetzung der Drei Musketiere und des Grafen von Monte Christo, die zu Welterfolgen werden. Die ungewöhnlich abenteuerlichen Handlungen, zumeist jedoch ohne ästhetische und ethische Tiefe, bilden den Hauptgrund für Dumas’ anhaltende Beliebtheit.

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Der Siegeszug von Dumas’ Werken macht auch vor den Grenzen Rußlands nicht halt. Dennoch ist an ein Einreisevisum nicht zu denken. Schuld daran ist ein Roman, der der gestrengen Zensur Nikolaus’ I. zum Opfer gefallen ist und über den der Dichter schreibt: »Ich hatte die Geschichte zweier Teilnehmer des russischen Dekabristenaufstandes – Memoires d’un maître d’armes – Erinnerungen eines Fechtmeisters – erscheinen lassen. Darin wurden die Erlebnisse eines revolutionären russischen Gardeoffiziers geschildert, dem seine spätere Gattin in die Verbannung nach Sibirien folgte. Dieser Roman wurde in Rußland verboten, was natürlich nicht verhinderte, daß er überall - auch von der Zarin - heimlich gelesen wurde. Aber ich war nun offiziell >persona non grata< im Zarenreich.«

Das änderte sich schlagartig, als Nikolaus I. am 2. März 1855 plötzlich starb und sein Sohn Alexander den Thron bestieg. [...] Am 17. Juni 1857 kündigte er in seiner literarischen Wochenzeitschrift Monte Christo an, daß er die Absicht habe, das russische Riesenreich von St. Petersburg bis zum Kaukasus zu bereisen und darüber seinen Lesern zu berichten.